Reden schreiben

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Besucherinnen und Besucher,
geschätzte Freunde und Kunden jeden Geschlechts!

Sie lesen diese Zeilen vermutlich gerade, weil Sie daran interessiert sind, mehr über meine Dienstleistung zum Thema Redenschreiben zu erfahren. Vielleicht müssen Sie selbst eine Rede verfassen, vielleicht wundern Sie sich aber auch nur, warum ein Werbetexter anbietet, Reden zu schreiben.

Die einfache Antwort: Weil ich es kann.
Ziemlich arrogant, oder? Und solange ich Ihnen das nicht beweise, auch nur pure Behauptung!

Falls Sie gerade mindestens innerlich nicken, die schlechte Nachricht vorab: In den nächsten 5 Minuten werde ich Sie vermutlich nicht mit einer elaborierten Beweisführung von meiner Dienstleistung überzeugen. Bleiben Sie aber trotzdem hier, denn Sie haben das Intro überstanden und dürfen sich nun auf den Teil mit den Anekdoten freuen.

Die Recherchen zu meiner aller ersten Rede anlässlich der eigenen Abiturfeier führten mich ins World Wide Web. Oder wie ich es nannte: AltaVista. Dort fand ich in einem Forum nützliche Tipps wie

„Bei der Anrede musst du unbedingt die wichtigsten Gäste zuerst nennen!“

oder

„Fang mit einem Witz an, das lockert gleich die Stimmung.“

Auch sehr gut:

„Im Hauptteil solltest du die Vergangenheit Revue passieren lassen und aus dem Nähkästchen plaudern. Und vergiss nicht, einen Ausblick auf die Zukunft zu geben.

Oder der Klassiker:

„Zum Schluss auf jeden Fall nochmal alles zusammenfassen. Und denk daran: Anhaltender Applaus ist besser als verhaltender Applaus.“

So stand ich also ein paar Tage später auf der Bühne der Aula, vor mir in den ersten Reihen die versammelte Stufe, dahinter, an Tischen verteilt, Lehrer, Eltern, Großeltern und Freunde. Nur sah ich außer ein paar tanzender Punkte fast niemanden, weil es dunkel war und mich eines der Scheinwerferlichter blendete. Das war schon mal blöd.

Mein Einstiegswitz ging auf jeden Fall so:

„Als ich frage, über was ich hier reden darf, sagte man mir ‚Über alles. Nur nicht über 20 Minuten.“

Die Reaktionen waren ähnlich verhalten wie Ihre jetzt gerade. Zumindest die akustischen. Vielleicht hatten einige ja stumm geschmunzelt. Meine Stimmung war ab nun allerdings alles andere als locker.

Als nächstes las ich etwas von einem Weg vor, den wir als Stufe seit 3 Jahren gemeinsam gegangen sind, von Pfaden, die manche von uns auf andere Wege brachten und von einem gemeinsamen Ziel, das wir heute erreicht hatten. Dazwischen gab’s ein paar Referenzen zur Abschlussfahrt und zum Abi-Streich, die nur meine Stufenkameradinnen- und -kameraden verstanden, und schließlich folgten die Danksagungen. Ebenfalls hauptsächlich abgelesen, weil ich im Publikum eh niemanden sehen konnte.

Von den Danksagungen ging’s – aus meiner Sicht geschickt – in die abschließende Zusammenfassung, in der ich auch gleich die Hoffnung formulierte, dass wir auf unseren neuen Wegen genauso starke Begleiter wie in den letzten Schuljahren haben werden. Das war dann auch irgendwie ganz nett formuliert, sodass es wie eine Klammer funktionierte und meine erste Rede immerhin recht rund zu Ende führte.

Und plötzlich ging der Scheinwerfer aus, die Oberlichter der Aula wurden angestellt und … – die Menschen waren aufgestanden, applaudierten, manche pfiffen mir anerkennend zu und die Welt war gut. Ich war schließlich Abiturient und konnte hier sagen, was ich wollte. Abgeliefert hatte ich eh schon.

Später an der Theke stand meine Direktorin neben mir und meinte: „Das haben Sie gut gemacht. Hätte noch etwas besser strukturiert sein können.“

Ehe ich darauf mehr als „Danke“ sagen konnte, ging sie mit einem aufgefüllten Sektglas an mir vorbei, und ihre weisen Worte verpufften genauso flüchtig wie die letzten neun Jahre Schulausbildung. Trotzdem habe ich mir ihren letzten Ratschlag zu Herzen genommen und besser gemerkt als 90% des Unterrichtsstoffes.

Ich erzähle Ihnen das, weil ich nur aus meiner zweiten Rede mehr gelernt habe, als aus dieser.

Die erste Erkenntnis: Es gibt talentiertere Redner als mich.
Die wichtigste Erkenntnis: Wenn ich meine nächste Rede schreibe, mache ich alles anders.

Ein paar Jahre später kam ich tatsächlich noch einmal in die Verlegenheit, innerhalb meiner Vereinsarbeit eine Rede schreiben und halten zu müssen. Und dieses Mal fand ich im Internet (oder wie ich es nannte: Google) die Vorlage zum klassischen Aufbau einer Rede. Mit mehrgliedriger Einleitung, einem fesselnden Hauptteil über den IST- und SOLL-Zustand, über divergierende Meinungen inklusive argumentativer Beweisführung und einem klammerschließenden Schlussteil, der zusammenfasst, auffordert, dankt und verabschiedet.

Ich musste diese Schablone also nur noch mit Inhalten ausfüllen und vergaß dabei, dass eine Rede auch Spaß machen darf, dass sie spannend sein kann und dass sie überraschen sollte.

Das Ergebnis: Ein kurzer, verhaltender Applaus und niemand, der mich später jemals auf das Gesagte angesprochen hat oder gar seine oder ihre Wertschätzung gezeigt hätte.

Meine neuste Erkenntnis: Ich bin immer noch kein besonders talentierter Redner.

Die wichtigste Erkenntnis: Wenn ich meine nächste Rede schreibe, mache ich alles anders.

Mit der Zeit und meiner handwerklichen Entwicklung als Redakteur und Werbetexter begriff ich das Redenschreiben schließlich als kleine Minigeschichte. Als kurzweilige Story, die sich nicht in das Korsett eines vorgeschriebenen Aufbaus zwängen lässt und gerade wegen ihrer Launenhaftigkeit die Leute bei der Stange hält.

Wenn ich heute eine Rede schreibe, stelle ich mir eigentlich nur noch zwei Fragen:

Was soll gesagt werden?


und


Wie kann es so gesagt werden, dass die Zuhörer daran teilhaben, involviert sind und begeistert werden?

So wie damals meine Mitschüler, mit denen ich schließlich zusammen auf Abschlussfahrt war und die jede Anspielung in meiner Rede verstanden hatten. Oder die Lehrer, die ja tatsächlich unsere Wegbegleiter gewesen sind, und sich in den Geschichten und Danksagungen wiederfanden. Oder unsere Eltern, die den Erfolg ihres Sprößlings das erste Mal in der Gemeinschaft der ganzen Stufe wahrgenommen hatten.

Meine Zuhörer haben sich damals angesprochen, haben sich abgeholt gefühlt. Und sind den Weg meiner ersten Rede mit mir gemeinsam gegangen. Weil sie mittendrin statt nur dabei waren.


Sollte ich für Sie mal eine Rede schreiben dürfen, müssen Sie die Frage „Was soll erzählt werden?“ weitestgehend selbst beantworten. Ich kümmere mich dann um das „Wie“:

Wie können wir die Zuhörer involvieren?
Wie können wir sie teilhaben lassen?
Wie schaffen wir es, dass Gesagtes den Zuhörern im Gedächtnis bleibt und sie noch weiter beschäftigt?
Wie können wir das natürliche Haltbarkeitsdatum einer Rede verlängern?

Bestenfalls im positiven Sinne.


Das ist die Kernaufgabe beim Redenschreiben, und die ist leider nicht mit einer allgemein gültigen Regel erfüllbar. Es gibt beim Redenschreiben schon alleine aufgrund der unterschiedlichen Anlässe kein Patentrezept. Vielmehr ist jede gute Rede ein Spezialrezept gegen die Langeweile.

Denn letztendlich zeichnet sich eine gelungene Rede dadurch aus, dass sie beim Publikum keine Langeweile erzeugt. Über eine ausgezeichnete Rede sprechen die Zuhörer noch beim Buffet. Und eine brillante Rede ist unvergesslich.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit. Sie dürfen mich gerne jederzeit kontaktieren.

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